WfB kooperiert mit LandesSport-Bund Niedersachsen

Veröffentlicht am von Jens Wegener

Bei der Vertragsunterzeichnung
Bei der Vertragsunterzeichnung
Bild: LSB

Hannover (kobinet) Die Werkstätten für Menschen mit Behinderung suchen zunehmend inklusive Arbeitsangebote, die nah am allgemeinen Arbeitsmarkt angesiedelt sind. Für einige dieser Arbeitsplätze wurde jetzt eine Vereinbarung zwischen der Hannoversche Werkstätten gemeinnützige GmbH und dem LandesSportBund Niedersachsen geschlossen. Mit der Kooperation mit dem LandesSportBund gibt es ab sofort zwei neue dieser begegnungsfördernden Arbeitsplätze.

Die Mitarbeitenden der Hannoverschen Werkstätten werden in der Gastronomie der Akademie des Sports zunächst für unterstützende Tätigkeiten in der Vor- und Zubereitung der Speisen sowie dem Spülen von Geschirr eingesetzt. Nach einer angemessenen Einarbeitung sollen sie auch im Servicebereich eingesetzt werden. Reinhard Rawe, Vorstandvorsitzender des LandesSportBunds und Vera Neugebauer, Geschäftsführerin der Hannoverschen Werkstätten unterzeichneten die Kooperationspapiere.

„Für uns ist diese Zusammenarbeit ein ganz wichtiger Schritt. Als Landesvertreter des Sports gibt der LandesSportBund ein wichtiges Zeichen mit der Integration und Inklusion von Menschen mit Behinderung auf Arbeitsplätzen im allgemeinen Arbeitsmarkt. Nur durch den Zuspruch von Unternehmen wird es möglich sein, unseren Mitarbeitenden die bestmöglichen Chancen auf eine berufliche Rehabilitation zu bieten“, freut sich Vera Neugebauer.

Insgesamt wird es sechs Arbeitsplätze der Hannoverschen Werkstätten in der Gastronomie der Akademie des Sports geben. Die übrigen vier Stellen werden demnächst besetzt.

Lesermeinungen zu “WfB kooperiert mit LandesSport-Bund Niedersachsen” (8)

Von Dr. Theben

Ich verweise hier auch gerne auf das Schwerpunktheft der Randschau 1/99 zum THema Geistige Behinderung insbesondere mit einem sehr lesenswerten Artikel zu Werkstätten von Udo Sierck (S.23ff.). ER ist, wie viele dieser alten Beiträge aus der sich selbst so bezeichneten KrüppelInnenbewegung, immer noch aktell.

http://archiv-behindertenbewegung.org/ifile/randschau/randschau_1999_++_01_00.pdf

Herzliche Grüße

DR. Theben

Von Gisela Maubach

Sehr aussagekräftig auch dieser Werkstattbericht (mit folgenden Zitaten):

https://www.brandeins.de/archiv/2016/das-neue-verkaufen/behindertenwerkstatt-werkstattbericht/

„Man orientiert sich nicht am Bedarf, sondern an den geschaffenen Ressourcen."

„Mit der zunehmenden Inklusion – der gemeinsamen Ausbildung und Arbeit von Menschen mit und ohne Behinderung – steigt die Exklusionsquote. Wir schließen immer mehr Menschen aus.“ Langner hält auch die Kategorie „seelische“ oder „psychische“ Behinderung für fragwürdig. Denn mit diesen Begriffen würden Menschen mit allen möglichen Benachteiligungen und Beeinträchtigungen etikettiert.

„Die Werkstatt ist zu einem Arbeitsmarktinstrument geworden. Die bisherige Politik führt zu einer erhöhten Nachfrage von Plätzen.“
Kurz gesagt läuft es so: Die Werkstatt braucht genügend belastbare Arbeitskräfte, um ihre Aufträge zu bewältigen und neue Investitionen zu ermöglichen oder zu rechtfertigen. Die Arbeitsagentur braucht Lösungen für ihre Problemfälle – darunter Förderschulabgänger, unqualifizierte Langzeitarbeitslose oder auch durch Krankheiten, Sucht und Unfälle beeinträchtigte Menschen. Sie freut sich über jeden, der aus ihrer Arbeitslosenstatistik fällt. Auffällig ist, dass die Zuweisungszahlen in Problemregionen wie Bremen, Berlin, Mecklenburg oder Brandenburg bis zu doppelt so hoch sind wie in Gegenden mit verschwindend geringer Arbeitslosigkeit.

Ende der Zitate aus dem Beitrag.

Damit erklärt sich auch, warum die Werkstätten bemüht sind, mit ausgesuchten Einzelfällen Presseartikel zu initiieren und das Bemühen um Inklusion vorzutäuschen.

Wenn Werkstätten um Inklusion bemüht wären, würden sie ja ihre eigene Abschaffung fordern.
Sehr bedenklich ist allerdings, wer alles diese erkennbare Scheinheiligkeit völlig unreflektiert veröffentlicht, so dass der Begriff Inklusion immer mehr ad absurdum geführt wird.

Von Dr. Theben

Nur noch mal zur Erinnerung zwei ältere Artikel zu Werkstätten für Behinderte aus der "guten alten" ZEIT:

https://www.zeit.de/1977/22/behinderte-nicht-mehr-wirtschaftlich

https://www.zeit.de/1988/42/kein-sprungbrett-ins-arbeitsleben/komplettansicht

DR. Martin Theben

Von Dr. Theben

@Frau Maubach
@rgr

Volle Zustimmung zu ihrer beider Beiträgen zum o.g. Artikel. Wir können uns immer mehr daran, das Werkstätten für Menschen mit Behinderungen Teil des vermeintlichen inklusiven Systhems sein sollen. Das sind sie aber nicht. Es sind Aussonderungsanstalten, die leider über eine viel zu große Lobby verfügen, wie man an der misslungenen Regelung zum Budget für Arbeit im BTHG sieht.

Der K(r)ampf geht weiter!

Solidarische Grüße

DR.Theben

Von Gisela Maubach

Wahrscheinlich wird übermorgen (27. Juni) im WDR-Fernsehen ein Beitrag darüber gesendet, wie unser Kreissozialamt Budget-Anträge bearbeitet.
Momentan plant "Lokalzeit Aachen" diesen Beitrag um 19:30 Uhr - nicht über uns, aber wir sind ja auch nicht die einzigen, die gegen Windmühlenflügel kämpfen müssen . . .

Von Gisela Maubach

@ rgr

Richtig - es wäre sehr interessant zu erfahren, ob die beiden Menschen mit Behinderung nun "richtige" Arbeitnehmer sind oder nur "arbeitnehmerähnlich".

Und man sollte auf keinen Fall unkommentiert lassen, dass das Wort Inklusion zur Anwendung kommt, obwohl von 1.000 Menschen dabei nur 2 aus der Sondereinrichtung rauskommen.

Unser Kampf um ein Leben mitten in der Gesellschaft gestaltet sich weiterhin völlig absurd:

Mein Antrag auf Weiterbewilligung ab 1. Juli ist bei der Kreisverwaltung am 7. Mai eingegangen und wurde mehrere Wochen erstmal nicht bearbeitet.

Am 17. Mai habe ich den Landrat angeschrieben und um einen Gesprächstermin gebeten. Trotz telefonischer Erinnerung im Vorzimmer erfolgte hierauf bis heute keine Reaktion.

Am 5. Juni rief unsere Anwältin, die uns im vergangenen Jahr auch beim Gerichtstermin vertreten hatte, erfolglos im Sozialamt an.

Am 9. Juni erhielt ich ein Schreiben des Sozialamtes (datiert auf den 29. Mai!), in welchem ich aufgefordert werde, zur weiteren Bearbeitung erstmal den aktuellen Grundsicherungsbescheid meines Sohnes einzureichen und eine komplett neue Bedarfsplanung mit konkreten Zielen und deren zeitlichen Aufwänden, obwohl bereits im vergangenen Jahr geklärt war, dass derartige Ziele nicht konkretisiert werden können.

Dass in der Zielvereinbarung steht, dass jährlich Gespräche zu führen sind und dabei zu prüfen ist, ob die Höhe des Budgets ausreichend ist, wird ignoriert.

Am 11. Juni habe ich sowohl das Deutsche Institut für Menschenrechte als auch die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen Claudia Middendorf angeschrieben - bisher ohne Reaktion.

Nach Fristsetzung meinerseits erhielt ich am 15. Juni eine E-Mail von der Sozialamtsleiterin, in welcher sie mir erklärt, dass vor (!) Weiterbewilligung des Budgets die Verwendungsnachweise des laufenden Budgets zu prüfen wären.
Und weil unsere Anwältin keine Vollmacht hätte, müsse sie alles nur mit mir regeln.

Jetzt hat die Anwältin eine neue (!) Vollmacht!

Von rgr

@Gisela Maubach

In der Tat wirft der Artikel die Frage auf, worum es sich bei der feierlichen Vertragsunterzeichnung gehandelt haben könnte. Die beiden Parteien schließen wohl so etwas wie eine Vereinbarung zur Arbeitnehmer Überlasssung. Wobei die Arbeitnehmer arbeitsrechtlich keine sind. Sie sind vielleicht noch nicht ausgewählt, oder waren aus anderen Gründen nicht zu gegen als ihre berufliche Zukunft besiegelt wurde.

Irgendwie schon eine bizarre Szene die mit dem obigen Photo dokumentiert wird. Nur zu gerne würde ich einen Blick in den Vertragstext werfen. Ich vermute aber, das selbst die - ich nenne sie mal die zwei Überstellten - diesen Text nie zu Gesicht bekommen werden.

Aber ich kann mich auch täuschen und der Vertragstext ist vielleicht doch in Teilen bekannt.


PS: Was macht ihr Antrag Frau Maubach? Halten Sie uns bitte auf dem Laufenden.

Von Gisela Maubach

Die Hannoverschen Werkstätten beschäftigen laut Homepage 1.000 Menschen mit Behinderungen:

http://www.hw-hannover.de/ueber-uns/

"Mit der Kooperation mit dem LandesSportBund gibt es ab sofort zwei neue dieser begegnungsfördernden Arbeitsplätze."

2 von 1.000 !!!!!
Demnächst sollen noch 4 folgen, wobei von "Kooperation" mit (!) der Werkstatt die Rede ist - die Beschäftigten also weiterhin nur einen arbeitnehmerÄHNLICHEN Rechtsstatus haben dürften.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, den Begriff "Inklusion" zu verwenden, wenn 2 von 1.000 Menschen einer Sondereinrichtung ihre Tage außerhalb dieser Sondereinrichtung verbringen dürfen?

Wenn man im Erwachsenenbereich das Wort Inklusion verwenden kann, wenn 2 von 1.000 Menschen die Sondereinrichtung verlassen können, dann könnten ja auch die Schulen von Inklusion reden, wenn 2 von 1.000 Förderschülern in die Regelschule wechseln - oder hat das Wort Inklusion im Schulalter eine andere Bedeutung als nach Ende der Schulzeit?

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