Behindertenrat fordert mehr Fahrgastrechte

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Freie Fahrt
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Bild: hs

Berlin (kobinet) Der Deutsche Behindertenrat (DBR) fordert mehr Fahrgastrechte im Bahnverkehr. „Menschen mit Behinderungen haben das Recht, ebenso spontan mit der Bahn zu reisen, wie andere Menschen auch. Es liegt in der Hand des Europäischen Parlamentes, dieses Recht nun umzusetzen“, erklärt DBR-Sprecher und SoVD-Präsident Adolf Bauer anlässlich der aktuellen Diskussion im Europäischen Parlament um die Reformvorschläge für die EU-Verordnung für Fahrgastrechte im Bahnverkehr.

Als Mitglied des Europäischen Behindertenforums unterstützt der DBR die Forderung, sämtliche Voranmeldungsfristen für Hilfeleistungsanträge unabhängig von der Bahnhofsgröße ersatzlos zu streichen. Der DBR sieht in der Reform zudem eine Chance, die Voranmeldungsfristen für Hilfsdienste an Bahnhöfen und in Zügen abzuschaffen. Aus Sicht des DBR könnte so ein weiterer Schritt getan werden, um die Verpflichtung der UN-Behindertenrechtskonvention nach gleichberechtigten Zugang zu Transportmitteln für alle Menschen, nachzukommen.

„Der DBR stellt mit Bedauern fest, dass das Europäische Parlament weiterhin an Voranmeldungsfristen festhält. Hilfsleistungen, beispielsweise das Anlegen von Rampen für Reisende mit Rollstuhl, sollen nur an Bahnhöfen mit mehr als 10 000 Passagieren am Tag ohne Voranmeldung zur Verfügung stehen“, beklagt Adolf Bauer. Dies entspricht nur 4,8 Prozent der Bahnhöfe in Deutschland. Der Ausschuss für Verbraucherschutz fordert sogar, Voranmeldefristen von 24 Stunden an den verbleibenden 95,2 Prozent der Bahnhöfe des Landes beizubehalten. 

Lesermeinungen zu “Behindertenrat fordert mehr Fahrgastrechte” (1)

Von Lesebrille

Oh, ich habe kein Problem, mich für jede Fahrt 24 Stunden vorher anzumelden - wenn das alle Fahrgäste tun müssen!

Scherz beiseite. Die Deutsche Bahn warb mal mit dem Slogan "Unternehmen Zukunft". Davon ist wenig übrig geblieben. Dass die Bahn Probleme mit ihren Kernaufgaben hat, ist ja nicht gerade neu, dass aber das Europäische Parlament das in diesem Falle auch noch stützt, halte ich für eine Schande für das Parlament.

"Kein Mensch darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" steht seit 24 Jahren im Grundgesetz. Auf eine konsequente Umsetzung warten wir immer noch!!

Das heisst: 1. Ich erwarte selbstverständlich, dass ich ohne Voranmeldung fahren kann! Das wäre dann auch die klare Umsetzung von Art. 3, Abs. 3, S.2 GG (Text siehe oben).

2. Ich erwarte selbstverständlich, dass Deutschland endlich die Barrierefreiheit an sämlichen Bahnhöfen voranbringt!

Denn eine Vorschrift, wo sich geheingeschränkte/rollator-/rollstuhlnutzende Menschen nur niederlassen dürfen, gibt es nicht. Es kann daher auch nicht sein, dass Menschen, die nicht (mehr gut) gehen können, zum Umzug gezwungen werden, weil sie sonst vom Staat (die DB gehört dem Staat) behindert werden!

3. Wer als Staatsunternehmen leidenschaftlich gern von Inklusion redet, aber die Exklusion vorantreibt, oder zumindest nicht abschafft, sollte dafür finanziell zur Kasse gebeten und zur Umsetzung gezwungen werden können.

Immerhin erhält die Bahn dafür, dass schwerbehinderte Menschen "kostenlos" den Nahverkehr nutzen können, seit Jahrzehnten einen nicht zu vernachlässigenden Betrag - leider ohne klare Anweisung, wofür dieses Geld verwendet werden soll. Wäre dieses Geld von Anfang an die Schaffung von Barrierefreiheit gebunden, wir würden längst nicht mehr diskutieren müssen!

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