Kaum barrierefreie Bücher in Deutschland

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Corinna Rüffer
Corinna Rüffer
Bild: Irina Tischer

Berlin (kobinet) In einer Presseinformation nimmt Corinna Rüffer, Sprecherin für Behindertenpolitik der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur mangelhaften Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie in Deutschland Stellung. Der Vertrag von Marrakesch wurde bereits 2013 geschlossen. Er soll den Zugang zu Literatur für seh- und lesebehinderte Menschen verbessern und den internationalen Austausch barrierefreier Buchformate ermöglichen. Die entsprechende EU-Richtlinie muss bis zum Herbst in nationales Recht und die jeweiligen Urheberrechtsgesetze umgesetzt werden.

Laut der Richtlinie besteht keine generelle Pflicht, eine Vergütung der jeweils übersetzen Formate vorzunehmen. Barrierefreie Formate sind dabei beispielsweise Bücher in Braille-Schrift, navigierbare Hörbücher in einem Format, das auch Informationen wie Seitenzahlen enthalten, Dateien oder Bücher in vergrößerter Schrift. Für die barrierefreie Übersetzung von Literatur fallen bei den entsprechenden Stellen hohe Kosten an (Arbeitszeit, IT und Maschinen, Abgabe an Verwertungsgesellschaften). Sie erhalten Zuschüsse der Bundesländer, aber nicht vom Bund.

Die von der Bundesregierung geplante Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie, die mehr barrierefreie Literatur für seh- und lesebehinderten Menschen ermöglichen soll, ist im EU-Vergleich besonders mangelhaft. Im Bericht der Internationalen Bibliotheksvereinigung (IFLA) zum „Stand der Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie in Europa“ schneidet Deutschland mit Abstand am schlechtesten ab. Trotzdem ist die Bundesregierung offenbar nicht gewillt, ihren Gesetzentwurf zu korrigieren, wie das die Antwort auf die schriftliche Frage von Corinna Rüffer zeigt.

So will die Bundesregierung an den besonders umstritten Ausgleichszahlungen der übersetzenden Stellen (Blindenbibliotheken) an die Rechteinhaber der Bücher, die nur Deutschland und Österreich vorsehen, festhalten: Man habe sich bemüht, „einen gerechten Interessenausgleich zu erzielen“, heißt es in der Antwort auf die Nachfrage.

Ein schlechter Scherz angesichts der „Büchernot, unter der blinde, seh- und lesehinderte Menschen leiden: Nur rund fünf Prozent der weltweit veröffentlichten Literatur ist auch barrierefrei, beispielsweise in Brailleschrift oder als Hörbuch, erhältlich.

Die Bundesregierung will auch prüfen, ob sie die übersetzenden Stellen finanziell unterstützen wird und will dafür „beim Haushaltsgesetzgeber für eine Förderung“ werben. Eine stärkere öffentliche Förderung durch den Bund ist dringend geboten. Da helfen solch vagen Ankündigungen leider herzlich wenig. Der vorliegende Gesetzentwurf muss unbedingt korrigiert werden, damit seh- und lesebehinderten Menschen endlich mehr barrierefreie Literatur zur Verfügung steht. 

Weitere Details zu diesem Gesetzgebungsverfahren zur Umsetzung der Marrakesch-Richtlinie können auf der Internetseite des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz nachgelesen werden. Die dort veröffentlichten Dateien sind allerdings nicht barrierefrei. 

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