Sozialer Wohnungsbau geht nur barrierefrei

Veröffentlicht am von Hartmut Smikac

Porträtfoto Jürgen Dusel
Porträtfoto Jürgen Dusel
Bild: Rolf Barthel

Berlin (kobinet) Zum Wohngipfel im Bundeskanzleramt am 21. September 2018, fordert der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, Barrierefreiheit zur Voraussetzung für geplante Investitionen des Bundes in den sozialen Wohnungsbau zu machen.

„Nur barrierefreier Wohnungsbau verdient den Namen sozialer Wohnungsbau. Deswegen dürfen keine neuen Wohnungen mit Barrieren gebaut werden. Für Menschen mit Behinderungen ist Barrierefreiheit eine Voraussetzung für ein würdiges Leben, weil sie Handlungsfreiheit gibt, die Möglichkeit selbstbestimmt zu leben und an der Gesellschaft teilzuhaben. Barrierefreier und bezahlbarer Wohnraum hat eine starke soziale Dimension und ist für eine offene Gesellschaft unerlässlich,“ so Dusel.

„Nicht nur die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen wird durch Barrierefreiheit gesteigert. Familien mit Kindern oder ältere Menschen profitieren genauso. Deswegen ist sie gerade auch vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft ein wirtschaftlicher Standortvorteil. Sie muss zum Qualitätsstandard werden,“ fordert Jürgen Dusel.

Aus Sicht des Beauftragten sollte außerdem geprüft werden, welche steuerlichen Vergünstigungen für Bauherren, die barrierefreien Wohnraum bereitstellen, gewährt werden können. Zudem sollten Maßnahmen wie das KfW-Programm "Altersgerecht Umbauen", für das die Bundesregierung Fördermittel bereitstellt, weiter ausgebaut und stärker gefördert werden. Die Regierungskoalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag verpflichtet, barrierefreien Wohnungsbau zu fördern.

Zum Wohngipfel sind alle Akteure eingeladen, die etwas mit Bauen zu tun haben und die einen Beitrag zu mehr Wohnungen leisten können. Dazu zählen Akteure aus Bund, Ländern und Kommunen, Mietervertretungen, die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, die Gewerkschaften und die Bauwirtschaft.

Lesermeinungen zu “Sozialer Wohnungsbau geht nur barrierefrei” (4)

Von rgr

@Ellen

Wobei 'Baumafia' nicht wörtlich zu nehmen ist. Die Bauindustrie ist längst Teil einer weltweit agierenden Oligarchie der Immobilienfinanzindustrie und ist damit Teil der Finanzindustrie.

Jedenfalls sollte sich das so als Lobby in Berlin repräsentieren. Mehr kann nur eine Analyse liefern - und die liegt mir gerade nicht vor.

Von rgr

@Ellen schrieb:

"Obwohl ich mich schon frage, warum Herr Dusel finanzielle Anreize für die Bauherren schaffen möchte, die barrierefrei bauen, wenn doch alle Wohnungen im sozialen Wohnbau barrierefrei sein müssen?"

Jürgen Dusel spricht in Funktion des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.

Persönlich würde er wohl am liebsten - und so auch ich - jeden Neubau verpflichtend barrierefrei ausführen. Und zwar Wohn-, wie Geschäftsräume und öffentlicher Raum mit Verkehr.

Wir hätten dann Wohnungen in einem Haus, welche alle barrierefrei währen. Ziehen die Kinder oder Lebenspartner aus, wird ein Tausch auf eine kleinere billigere Wohnung durch die Mietergemeinschaft oder Genossenschaft ermöglicht. Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren haben Platz. Küchen und Bäder sind größer in der Fläche und angepasst unter- wie überfahrbar.

Jürgen Dusel hat die Autorität das vorstellen zu können. Aber er hat nicht die Macht. Er kann diese epochale Revolution in der Architektur, einer Architektur welche hundert, wenn nicht hunderte Jahre von einem Epochewechsel künden wird, nicht aus dem Amt heraus leisten. Er muss zusehen die Fäden geordnet in seiner Hand zu behalten. Und da hält die Baumafia die Hand auf!

Das hat Ellen klar erkannt.

Von Ellen

Auch von mir volle Zustimmung.
Obwohl ich mich schon frage, warum Herr Dusel finanzielle Anreize für die Bauherren schaffen möchte, die barrierefrei bauen, wenn doch alle Wohnungen im sozialen Wohnbau barrierefrei sein müssen ??? Das widerspricht sich irgendwie. Alle oder doch nicht alle ?

Von Sven Drebes

Volle Zustimmung dafür, dass alle neu gebauten Sozialwohnungen barrierefrei werden müssen. Zusätzlich müssen die Vorschriften dazu, welche Wohnungen "angemessen" für ALG-II- und Grundsicherungsbezieher sind, angepasst werden. Sonst haben die ärmsten Menschen, solange sie nicht auf Barrierefreiheit angewiesen sind, nichts von den neuen Wohnungen, weil sie größer und teurer sind als "erlaubt".

Mein Eindruck ist außerdem, dass die Rolle des sozialen Wohnungsbaus in der aktuellen Diskussion stark überschätzt wird. Anspruch auf eine Sozialwohnung haben alleinstehende Menschen ohne Behinderung in den meisten Regionen nämlich nur, wenn sie weniger als rund 1.500 € brutto monatlich verdienen, de Zuschläge für weitere Haushaltsmitglieder sind alles andere als üppig. Das ist sehr nah am gesetzlichen Mindestlohn.

Lesermeinung schreiben?

Beim erstmaligen Schreiben Ihrer Lesermeinung werden Sie zur Registrierung geleitet. Dabei erkennen Sie die Nutzungsbedingungen und die Netiquette an.Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail. Bitte schauen Sie auch in Ihren Spamordner. Bestätigen Sie den Empfang durch Klicken auf den angezeigten Link. Sie erhalten ein Fenster und ergänzen Ihren Anzeigenamen und Ihren persönlichen Namen zur E-Mailadresse. Die Lesermeinung ist auf 2000 Zeichen begrenzt und Sie können bis 14 Tage nach Veröffentlichung der Nachricht schreiben.