Was bringt ein Schichtwechsel Werkstattbeschäftigten?

Veröffentlicht am von Ottmar Miles-Paul

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Bild: ht

Berlin (kobinet) Beschäftigte aus Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) tauschten mit Arbeitnehmer*innen aus Berliner Unternehmen für einen Tag ihren Arbeitsplatz. Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) fragt sich, was dieser eine Tag den behinderten Beschäftigten in den Werkstätten wirklich bringt? Kann dieser Tag die freie Wirtschaft sensibilisieren, mehr behinderte Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt anzustellen? Kann dieser Tag darüber hinwegtäuschen, dass die behinderten Beschäftigten in den WfbM zwar gute Arbeit leisten, dafür aber nur ein Taschengeld erhalten?, fragt die ISL.

Außerdem fragt die ISL die Berliner Sozialsenatorin Elke Breitenbach, die diesen Tag unterstützt, ob es nicht noch besser wäre, das Budget für Arbeit zu bewerben, zu erhöhen und die Leistungsträger in die Pflicht zu nehmen, auch Arbeitsplätze für behinderte Menschen zu finden. Nach Meinung der ISL lassen sich alleine mit dem Instrument des Budgets für Arbeit nicht so einfach passende Jobs finden. Hier brauche es Unterstützung für die Beschäftigten und für die Arbeitgeber*innen.

Alle Teilnehmenden an diesem Tag sollten sich die Frage stellen, ob das System der WfbM einen inklusiven Arbeitsmarkt fördert, gerechte Gehälter gezahlt werden oder vielmehr von Unternehmen in der freien Wirtschaft genutzt werden kann, um sich von der Beschäftigungsquote für behinderte Menschen freizukaufen.

 

Links zu Berichten über die Kritik am letzten Schichtwechsel in Berlin der kobinet-nachrichten

ISL fordert Engagement beim Budget für Arbeit vom 23.10.2017

Inklusion muss an 365 Tagen im Jahr stattfinden vom 12. Oktober 2017

Berliner Werkstatträte reagieren auf ISL-Kritik vom 10. Oktober 2017

Echte Chancen, statt Showeffekte vom 6.10.2017

Lesermeinungen zu “Was bringt ein Schichtwechsel Werkstattbeschäftigten?” (1)

Von Gisela Maubach

Schade dass dieses Experiment nicht in NRW stattfindet, wo etwa 20 Prozent der WfbM-Mitarbeiter in der Realität kein Mindestmaß wirtschaftlich verwertbarer Arbeitsleistung erbringen können, sondern in separaten Räumlichkeiten betreut und gepflegt werden.

Es wäre interessant zu erfahren, auf welchen "Arbeitsplatz" diese geistig schwerstbehinderten Menschen außerhalb der WfbM tauschen könnten.

Und außerdem wäre es für die Unternehmensmitarbeiter sicherlich eine ganz neue Erfahrung, in so einer WfbM-"Fördergruppe" mal gefüttert und mit Windeln versorgt zu werden . . .

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